Neurophysiologische Entwicklungsförderung (INPP)

INPP ist die Abkürzung von "The Institute for Neuro-Physiological Psychology". Es wurde 1975 von Peter Blythe und seinem damaligen Partner David McGlown in Chester, England, gegründet. Mittlerweile gibt es INPP-Institute in Schweden, Schottland, Irland, Frankreich und auch in Deutschland.

Die Direktoren vom INPP in Chester, Peter Blythe und Sally Goddard Blythe, haben in jahrzehntelanger For-schungsarbeit herausgefunden: Bei vielen Kindern mit (über)-durchschnittlicher Intelligenz, jedoch mit auffallenden Lern-, Verhaltens- und Bewegungsproblemen, die durch herkömmliche Fördermethoden nicht behoben werden konnten, können noch eine Reihe frühkindlicher (primitiver) Reflexe fortbestehen. Dies kann geschehen, wenn während der Schwangerschaft, der Geburt und während des 1. Lebensjahres Probleme auftraten, die die Ausreifung und Hemmung dieser Reflexmuster beeinträchtigten. Die weitere Entwicklung der Bewegung, der Wahrnehmung, des Verhaltens und des Lernens kann dadurch verzögert oder gestört werden. Diese Kinder sind allem Anschein nach "normal", doch zeigen sie spätestens, wenn sie zur Schule kommen, oft unerklärliche Schwierigkeiten beim Lernen und entwickeln in der Folge häufig Verhaltensprobleme. Mit der nachträglichen Ausreifung und Hemmung noch fortbestehender frühkindlicher Reflexe durch das vom INPP entwickelte Behandlungsprogramm können die sensomotorischen Voraussetzungen von Lernen und Verhalten verbessert werden.
Jedes Kind wird mit einem Set frühkindlicher Reflexe (auch "Überlebensreflexe" genannt) geboren. Mit dem Fortschreiten der Gehirnreifung und der damit verbundenen Entwicklung der Willkürmotorik müssen diese ersten (primitiven) Reflexe, die bis dahin die kindliche Entwicklung vorangetrieben haben, gehemmt oder in so genannte Haltungsreflexe transformiert werden. Diese ermöglichen es dem Kind, sich nach einer Phase gründlicher Einübung im Laufe des ersten Lebensjahres in allen nur erdenklichen Bewegungsmustern und Körperpositionen mühelos und ohne darüber nachzudenken zu bewegen. Läuft dieser Entwicklungsprozess aufgrund prä-, peri- oder postnataler Störungen nicht "nach Plan", können einige der primitiven Reflexe im Körper "aktiv" bleiben und die nachfolgende Entwicklung der Bewegung, der Augenmuskulatur, der Augen-Handkoordination, der Lateralisierung und der Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen. Ein solches Kind kann bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben nicht sein volles Potential entfalten, obwohl es allem Anschein nach "normal" ist. Zu den eigentlichen Problemen gesellen sich dann häufig Verhaltensprobleme wie Hyperaktivität und Ängste. Die Möglichkeit, mit dem vom INPP Chester entwickelten Diagnose- und Behandlungsinstrumentarium hinter vielen Lern-, Verhaltens-, Bewegungs- und Wahrnehmungsproblemen bei Kindern und Jugendlichen neurophysiologische Entwicklungsverzögerungen in Gestalt persistierender primitiver Reflexe zu entdecken, eröffnet damit ganz neue Chancen, diesen Kindern zu helfen, indem an den Ursachen und nicht an den Symptomen angesetzt wird.

Das in Chester ansässige Institut für Neuro Physiologische Psychologie ( INPP ) hat unter Leitung von Dr. P. Blythe In langjähriger Forschungsarbeit entscheidende Durchbrüche im Erkennen und Behandeln von Störungen im Zentralen Nervensystem erzielt. Es wurde ein umfangreiches Testinstrumentarium entwickelt, mit dessen Hilfe die Anwesenheit primitiver Reflexe bzw. die Abwesenheit von Haltungsreflexen sowie Störungen in der sensorischen Wahrnehmungsfähigkeit mit großer Sicherheit entdeckt werden können. Auch das Ausmaß der Störungen, von der vollständig erhaltenen bis zur Restwirkung eines Reflexes, lässt sich feststellen.
Darüber hinaus wurde ein Übungsprogramm entwickelt, das die primitiven Reflexe gleichsam in einem zweiten Anlauf erfolgreich unterdrückt und damit dann den Haltungsreflexen die Möglichkeit gibt, sich herauszubilden.
Mit der Normalisierung der Reflexstruktur verschwinden in der Folge auch viele der Erziehungs-, Lern-, und Bewegungsprobleme.

Das Übungsprogramm besteht aus speziellen stereotypen Bewegungen, die über eine Dauer von etwa einem Jahr täglich etwa 5 - maximal 15 Minuten ausgeführt werden. Die Bewegungen basieren auf der Beobachtung, dass alle menschlichen Babys in der Schwangerschaft und während ihres 1. Lebensjahres eine Reihe von stereotypen Bewegungen machen. u. a. auch solche, die eine natürliche Unterdrückung der primitiven Reflexe bewirken. Die Abwesenheit oder unvollständige Entwicklung dieser Bewegungen kann als Ursache dafür angesehen werden, dass die primitiven Reflexe nicht bzw. nicht vollständig unterdrückt wurden. Durch die stilisierte, sehr langsame Durchführung solcher nachgeahmter natürlicher Reflexhemmungsbewegungen wird dem Gehirn sozusagen eine zweite Chance gegeben, diese Bewegungen, die zum angemessenen Zeitpunkt der kindlichen Entwicklung nicht vorhanden waren, diesmal zu registrieren.

1. Die Anfangsberatung
Mit Hilfe eines umfangreichen Fragebogens werden Einzelheiten über die bisherige Entwicklungsgeschichte des Kindes zusammengetragen, die Aufschluss darüber geben können, ob seine Probleme einen neurophysiologischen Hintergrund haben. Bestärkt die Auswertung des Fragebogens diese Vermutung, wird den Eltern vorgeschlagen, eine weiterführende etwa 3 - 3 1/2 stündige diagnostische Erfassung des neurophysiologischen Entwicklungszustandes des Kindes vornehmen zu lassen.

2. Die diagnostische Untersuchung
Während dieser umfangreichen Untersuchung wird gründlich überprüft, ob und welche Probleme das Kind u. a. in folgenden Bereichen zeigt:

  • Gleichgewicht und Bewegungskoordination
  • Anwesenheit primitiver Reflexe oder Abwesenheit von Haltungsreflexen
  • visuelle (Augen) und auditive (Ohren) Wahrnehmung
  • Augen / Handkoordination
  • Seitigkeitsentwicklung

3. Besprechung der Testergebnisse
2 - 3 Wochen nach der diagnostischen Untersuchung werden mit den Eltern und dem Kind die Testergebnisse ausführlich besprochen. Während dieses mindestens 2-stündigen Termins werden die gefundenen Ergebnisse detailliert erläutert und zu den Problemen, die das Kind hat, in Beziehung gesetzt. Die Eltern erhalten eine Kopie der Testergebnisse.
Wenn die Ergebnisse der diagnostischen Tests eine klare Bestätigung dafür liefern. dass die erzieherischen Schwierigkeiten des Kindes eine physische Grundlage haben, wird den Eltern und dem Kind vorgeschlagen. ein auf es zugeschnittenes häusliches Übungsprogramm durchzuführen.

4. Das häusliche Übungsprogramm
Die Einweisung in das Übungsprogramm zur Reflexunterdrückung kann bis zu 1 Stunde dauern. Jede einzelne Übung wird dem Kind und den Eltern detailliert gezeigt und mit ihnen geübt. Für alle Übungen werden genaue schriftliche Anleitungen mitgegeben. Sie müssen täglich durchgeführt werden, wobei die Eltern oder eine andere eingewiesene Person unbedingt den Übungsablauf unterstützen und überwachen sollten. Sie beanspruchen je nach Art und Menge der gegebenen Übungen 5 - 15 Minuten Zeit pro Tag.

5. Wiedervorstellung
Nach 6 - 8 Wochen Übungsprogramm wird überprüft, ob die Übungen den erwünschten Erfolg zeigen. Dieser Termin dauert etwa 1 - 2 Stunden. Erneute Tests geben darüber Aufschluss, ob Im Reflexprofil des Kindes bereits Veränderungen eingetreten sind. Falls erforderlich, wird das Übungsprogramm abgeändert.
Neu auftretende erzieherische Aspekte werden ausführlich erörtert.
Diese Wiedervorstellungen werden dann bis zur Beendigung des Programms alle 8 Wochen wiederholt.

 

Über mich | Behandung und Förderung | Tests | Kontakt | Wegbeschreibung © 2009 Birgit Horster